WEBVTT

NOTE Skriptbasiertes Sichttranskript mit finalen Schnittzeiten; Wortlaut separat am Audio geprüft.

00:00:00.180 --> 00:00:09.700
NIKO: Sascha, bevor Du die erste Milliardenfrage stellst: Sind das zwei Glasperlen in Deinem Bart, oder hat Deine Strickmütze jetzt einen exklusiven Vertriebskanal?

00:00:09.800 --> 00:00:19.735
SASCHA: Subculture-Luxus, Niko. Zwei handverlesene Glasperlen. Der Materialwert ist überschaubar. Die Geschichte dazu muss natürlich jemand bezahlen.

00:00:19.855 --> 00:00:27.165
NIKO: Ah, verstehe. Sehr kleine Teile, sehr große Erzählung. Da sind wir ja schon mitten in der KI.

00:00:27.265 --> 00:00:44.890
SASCHA: Leider ja. Aus Deutschland kommt gerade eine passende Meldung: Die Telekom plant für zweitausendsiebenundzwanzig eine Entlastung durch KI von eins Komma eins Milliarden Euro. WDR, fünfter Oktober. Was die KI zusätzlich kostet, wird in dem Bericht allerdings nicht beziffert.

00:00:45.140 --> 00:01:00.000
NIKO: Da zuckt bei mir gleich der alte Reflex. Ich habe ja beim Steuerberater angefangen. Wenn mir jemand eine beeindruckende Zahl hinlegt, suche ich erst mal die andere Seite der Rechnung. Deine zwei Perlen habe ich verstanden. Bei den Milliarden würde ich gern etwas genauer hinsehen.

00:01:00.180 --> 00:01:09.435
SASCHA: Gut. Dann lassen wir den Schmuck heute unbewertet und rechnen an etwas, das man anfassen kann: sechzig Gesprächsvermerke in einem ganz normalen Büro.

00:01:12.845 --> 00:01:31.295
SIGGI: KI Hero. Die KI spart Zeit. Wer bezahlt die Rechnung? Mit Niko Martzy und Sascha. Ich bin Siggi. Heute halten wir drei Dinge auseinander: Was wird fertig, was kostet es insgesamt, und wer bekommt die gewonnene Zeit? Die Perlen bleiben bei Sascha.

00:01:32.045 --> 00:01:54.925
SASCHA: Zur Telekom noch die Einordnung: Die eins Komma eins Milliarden für zweitausendsiebenundzwanzig beziehen sich auf das Geschäft außerhalb der USA und den Vergleich mit zweitausenddreiundzwanzig. Bis zweitausenddreißig sollen die indirekten Kosten um rund zweieinhalb Milliarden Euro sinken. Das sind angekündigte Ziele. Mich interessiert daran vor allem: Wie viel davon kommt unten wirklich an?

00:01:55.105 --> 00:02:19.505
NIKO: Genau diese Frage. Und ich finde die Pläne nicht automatisch unglaubwürdig, nur weil sie groß sind. Natürlich kann KI viel Arbeit verändern. Nur hängen daran auch neue Systeme, Einrichtung, Schulung und Kontrolle. Wenn Du diese Seite nicht kennst, kannst Du den Nettovorteil eben noch nicht ausrechnen. Eine schöne Sparfolie ist erst mal eine schöne Sparfolie. Vielleicht sehr schön, aber sie ersetzt keine vollständige Rechnung.

00:02:19.755 --> 00:02:31.945
SASCHA: Und für die Mitarbeiter ist das keine abstrakte Rechnung. Im Bericht bleiben die konkreten Folgen für die Zahl der Arbeitsplätze offen. Da hört jemand, der dort arbeitet, vermutlich anders zu als jemand mit Telekom-Aktien.

00:02:32.125 --> 00:02:52.205
NIKO: Klar. Darauf kommen wir noch. Lass uns erst verstehen, was tatsächlich gewonnen wird, bevor wir es verteilen. In Folge eins hatten wir dreißig Lizenzen und drei Nutzer. Heute sind wir einen Schritt weiter: Die Leute benutzen die KI. Jetzt will ich wissen, ob dadurch etwas fertig wird, das sie wirklich brauchen. Und wie viel Arbeit danach noch an ihnen hängen bleibt.

00:02:52.405 --> 00:03:02.825
SASCHA: Also nicht die Sekunden zählen, bis der Text auf dem Bildschirm steht. Sondern bis ich den Vermerk guten Gewissens weitergeben kann. Das klingt weniger spektakulär als die Demo.

00:03:03.005 --> 00:03:24.015
NIKO: Die Demo räumt ja auch nicht hinter Dir auf. Du siehst einen Text, der wirkt fertig, und dann suchst Du doch noch die falsche Zuständigkeit, den fehlenden Termin, irgendeine hübsch erfundene Vereinbarung. Wenn Du das zwanzig Minuten korrigierst, gehören die zwanzig Minuten in die Rechnung. Sonst verschwindet die Arbeit bloß aus der Präsentation und taucht bei Dir am Abend wieder auf.

00:03:24.715 --> 00:03:34.980
SASCHA: Da war die Rotkohlgeschichte aus Folge eins übersichtlicher. Deine Mutter hatte ein Ergebnis auf dem Teller. Bei einem Protokoll kannst Du Dir leichter einreden, es sei schon ganz ordentlich.

00:03:35.160 --> 00:03:58.260
NIKO: Ja, einen ungenießbaren Rotkohl rettet keine besonders souveräne Zusammenfassung. Das mag ich an der Geschichte: neugierig ausprobieren, danach ehrlich sagen, ob es geholfen hat. Im Büro reden wir manchmal zwanzig Minuten über Innovation und keine zwei Minuten darüber, woran wir merken, dass die Aufgabe erledigt ist. Beim Essen merkst Du das. Manchmal leider sofort.

00:03:57.955 --> 00:04:06.380
SASCHA: Die Qualitätskontrolle kann sehr direkt sein. Apropos: Was trinkst Du da eigentlich? Das sieht nicht nach normalem Bürotee aus.

00:04:06.540 --> 00:04:20.355
NIKO: Mate-Tee. Schön herb, und der erste Schluck ist immer noch zu heiß. Ich stelle mir jedes Mal vor, dass ich geduldiger geworden bin. Hat sich bisher nicht bestätigt. Du bist mit Deiner Bloody Mary ja optisch schon beim sehr späten Geschäftsessen.

00:04:20.455 --> 00:04:30.420
SASCHA: Alkoholfrei. Tomate, Zitrone, ein bisschen Schärfe. Der Sellerie macht den seriösen Teil. Daneben die Halspastillen, falls ich gleich wieder zu lange frage.

00:04:30.540 --> 00:04:50.200
NIKO: Frag ruhig. Wasser habe ich auch. Und das passt sogar zu unserem Thema: Nicht das Etikett entscheidet, sondern was drin ist. Beim Vermerk legen wir vorher fest: Entscheidungen, Zuständigkeiten, Termine, offene Fragen. Was nicht gesagt wurde, darf die KI nicht dazuerfinden. Dann haben wir etwas, das wir prüfen können.

00:04:50.880 --> 00:05:15.780
SASCHA: Diese Frage nach dem Inhalt begegnet mir international gerade dauernd. Ich lese regelmäßig den Economist und das Wall Street Journal, auch wegen der Investments. Und da gibt es gefühlt keinen Tag ohne AI. Mal geht es um riesige Erwartungen, mal um Rechnungen, die jemand nicht mehr vernünftig planen kann. Ich habe oft den Eindruck, dass die internationalen Journalisten den deutschen ein halbes Jahr voraus sind. Gefühlt jedenfalls.

00:05:15.425 --> 00:05:18.420
NIKO: Das halbe Jahr hast Du jetzt aber nicht nachgemessen.

00:05:18.520 --> 00:05:38.660
SASCHA: Nein, dafür habe ich eine teure Zeitung. Im Ernst: Das ist mein Leseeindruck. Im Wall Street Journal ging es am vierten Oktober darum, wie schwer KI-Ausgaben für Unternehmen zu budgetieren sind. Und genau das ist doch der unangenehme Teil: Ich kaufe nicht einfach einen Bleistift, bei dem ich weiß, wie viele im Karton liegen.

00:05:38.860 --> 00:06:00.570
NIKO: Du kaufst unter Umständen Nutzung, und die hängt davon ab, wie Du arbeitest. Ein Auftrag wird länger, die KI holt zusätzliche Informationen, versucht es noch mal, ruft ein Werkzeug auf. Das kann sinnvoll sein. Aber es ist ein anderer Verbrauch als bei einem einfachen Entwurf. Wenn ich nur auf den Preis eines einzelnen Tokens starre, sehe ich deshalb noch nicht den Preis der Aufgabe.

00:06:00.770 --> 00:06:04.925
SASCHA: Tokens erklären wir kurz, sonst verlieren wir jetzt schon die Hälfte der Leute.

00:06:05.105 --> 00:06:28.645
NIKO: Das sind die Textbausteine, mit denen das Modell arbeitet. Manchmal ein Wort, manchmal nur ein Stück davon. Du bezahlst bei einer verbrauchsabhängigen Schnittstelle typischerweise für Eingaben und Ausgaben, je nach Angebot kommen weitere Dinge dazu. Im festen Monatsabo läuft das anders. Da wird Dein Monatsbetrag durch eine kürzere Antwort nicht automatisch kleiner. Trotzdem musst Du weniger lesen, und das ist ja auch ein Gewinn.

00:06:28.895 --> 00:06:39.625
SASCHA: Das kleinere Modell kann also pro Baustein günstiger sein und mir trotzdem mehr Arbeit machen. So wie ein günstiger Drucker, bei dem ich irgendwann beginne, die Tintenpatrone persönlich zu hassen.

00:06:39.775 --> 00:07:04.175
NIKO: Diese Beziehung kenne ich. Und bei der KI kommt die Nacharbeit dazu: vier Anläufe mit der kleinen Variante oder ein brauchbares Ergebnis mit der größeren. Das musst Du ausprobieren. Es gibt dazu auch einen Forschungs-Preprint über Preisumkehrungen in Modellvergleichen. Interessant, aber daraus folgt keine Pauschalregel für Deinen Betrieb. Es folgt eher: Bitte den ganzen Vorgang vergleichen.

00:07:07.295 --> 00:07:28.775
SIGGI: Kurze Eigenwerbung für etwas Kostenloses: Im PDF zu dieser Folge steht die Rechnung so, dass Du sie in Ruhe nachbauen kannst. Mit Platz für Deine eigenen Zahlen. Auf podcast Punkt KI Hero Punkt net. Wer beim Wort Token kurz abgeschweift ist: Wir holen Dich wieder ab. Jetzt kommen sechzig Vermerke und ein ganz gewöhnlicher Taschenrechner.

00:07:31.965 --> 00:07:44.465
SASCHA: Wir nehmen also ein Büro mit sechzig vergleichbaren Gesprächsvermerken im Monat. Das ist unser erfundenes Beispiel, kein Branchenmittelwert. Ohne KI braucht ein Vermerk zwanzig Minuten. Was passiert mit KI?

00:07:44.645 --> 00:08:06.835
NIKO: Für Eingabe und Entwurf setzen wir drei Minuten an. Dann fünf Minuten menschliche Kontrolle und zwei Minuten Nacharbeit. Zusammen zehn. Und weil ich beim Steuerberater angefangen habe, freue ich mich jetzt kurz über etwas sehr Unromantisches: Wir zählen die Kontrolle einfach mit. Niemand muss die Zahl hübscher machen. Von zwanzig Minuten bleiben zehn übrig, also sparen wir zehn Minuten je Vorgang.

00:08:07.035 --> 00:08:16.185
SASCHA: Sechzig mal zehn Minuten sind sechshundert Minuten, also zehn Stunden im Monat. Das kann man sich vorstellen. Dafür brauche ich keinen Zukunftsgipfel.

00:08:16.365 --> 00:08:40.355
NIKO: Genau. Jetzt bewerten wir die Stunde mit vierzig Euro, wieder eine Annahme. Zehn Stunden sind damit vierhundert Euro freie Kapazität. So. Und an der Stelle lehne ich mich noch nicht zurück, weil unsere Ausgaben fehlen. Für Software und Verbrauch setzen wir hundertfünfzig Euro im Monat an. Dazu dreihundert Euro Einrichtung, die wir in dieser Rechnung auf drei Monate verteilen. Also noch mal hundert pro Monat.

00:08:40.595 --> 00:08:49.460
SASCHA: Vierhundert Euro bewertete Zeit, zweihundertfünfzig Euro Zusatzkosten. Bleiben hundertfünfzig. Die könnte ich dann ja...

00:08:49.050 --> 00:09:10.590
NIKO: ...noch nicht ausgeben. Ich ahne, wo das hinführt. Die hundertfünfzig sind ein rechnerischer Saldo. Du hast Zeit frei, aber die Löhne und viele andere Ausgaben laufen weiter. Auf dem Bankkonto erscheint kein neuer Betrag, bloß weil der Vermerk schneller fertig ist. Dafür müsste die freie Zeit tatsächlich Umsatz ermöglichen oder eine Ausgabe vermeiden.

00:09:10.710 --> 00:09:23.795
SASCHA: Meine Kreditkarte war noch gar nicht draußen. Aber verstanden: Zeit, bewertete Kapazität und Geld auf dem Konto sind drei verschiedene Dinge. Und wenn jemand weniger Überstunden hat, kann das trotzdem ein gutes Ergebnis sein.

00:09:23.975 --> 00:09:48.435
NIKO: Absolut. Das muss sich nicht immer sofort als zusätzlicher Umsatz zeigen. Nur sollten wir ehrlich benennen, was wir erreichen wollen. Weniger Stress ist etwas anderes als hundertfünfzig Euro mehr in der Kasse. Beides kann wertvoll sein. Verwirrend wird es, wenn wir das eine messen und das andere versprechen. Übrigens: Unsere Verteilung der Einrichtung auf drei Monate ist nur eine Rechenannahme, keine steuerliche Abschreibung.

00:09:48.735 --> 00:09:56.690
SASCHA: Da war er wieder, der Anfang beim Steuerberater. Den Satz hättest Du sonst vermutlich nicht freiwillig in einen Podcast eingebaut.

00:09:56.830 --> 00:10:21.170
NIKO: Vielleicht nicht ganz so früh. Aber ich habe eine noch praktischere Zahl: Mit unseren Annahmen müssen wir im Monat sechs Stunden und fünfzehn Minuten sparen, damit der bewertete Zeitgewinn die zweihundertfünfzig Euro Kosten deckt. Bei sechzig Vermerken sind das sechs Minuten und fünfzehn Sekunden je Fall. Wenn wir darunter bleiben, geht diese Rechnung nicht auf. Auch wenn der erste Entwurf wahnsinnig schnell kam.

00:10:21.390 --> 00:10:28.940
SASCHA: Und wenn die Vermerke schlechter sind, hilft die Schwelle auch nicht. Dann produzieren wir bloß schneller etwas, das keiner verantworten möchte.

00:10:29.120 --> 00:10:48.020
NIKO: Richtig. Mein erster knallharter Tipp ist deshalb: Teile die gesamten Verbrauchskosten durch die Zahl der brauchbaren Ergebnisse. Alle Versuche rein, auch die misslungenen. Zwanzig Anläufe, zehn brauchbare Vermerke? Dann teilst Du durch zehn. Und Deine eigene Zeit schreibst Du daneben. Ein billiger Fehlversuch ist immer noch ein Fehlversuch.

00:10:48.770 --> 00:11:05.410
SASCHA: Im Buch Der KI Coach gehst Du diesen Weg von der Technik zur wirklichen Arbeit ja ziemlich ausführlich. Hier liegt das Buch zwischen uns, und wir sollten dazu sagen: Du bist der Autor und Gründer der ecomex Business Academy. Du verdienst also auch daran, dass Menschen KI besser nutzen lernen.

00:11:05.590 --> 00:11:29.180
NIKO: Ja, das gehört offen auf den Tisch. Ich habe ein wirtschaftliches Interesse an Weiterbildung. Gerade deshalb muss ich mir die Frage gefallen lassen, ob es im konkreten Fall hilft. Wenn jemand seine Aufgabe ohne ein weiteres Werkzeug besser erledigt, ist das eine vernünftige Antwort. Der Beruf, den ich im Buch beschreibe, beginnt für mich beim Verstehen der Aufgabe und der Menschen. Sonst verkaufe ich nur Begeisterung mit Kursunterlagen.

00:11:32.320 --> 00:11:50.435
SIGGI: Eigenwerbung: Der KI Coach von Niko Martzy. Das Buch zur Frage, wie aus Technik eine brauchbare Veränderung im Alltag wird. Mehr dazu auf KI Coach Punkt App. Es liegt auch hier auf dem Tisch. Sascha hat bisher nur sehr darauf geachtet, dass keine Tomate draufkommt.

00:11:53.625 --> 00:12:02.755
SASCHA: Zurück zu unseren Vermerken. Ich möchte jetzt nicht anfangen, den ganzen Tag Tokens zu zählen. Was ändere ich morgen konkret, damit ich weniger Versuche brauche?

00:12:02.935 --> 00:12:24.925
NIKO: Zuerst den Auftrag. Nicht einfach: Mach mal ein Protokoll. Sondern: fünf Punkte, Entscheidungen, Zuständigkeiten, Termine, offene Fragen. Nichts erfinden, fehlende Angaben markieren. Wenn Du das einmal sauber festlegst, musst Du nicht bei jedem Entwurf hinterher erklären, was Du eigentlich wolltest. Das spart häufig mehr als ein verbissenes Feilen an drei Wörtern.

00:12:25.145 --> 00:12:35.090
SASCHA: Wobei ich beim Feilen durchaus zuverlässig wäre. Irgendwann wäre der Prompt so kurz, dass nur noch Protokoll drinsteht. Dann hätten wir einmal im Kreis gearbeitet.

00:12:35.240 --> 00:12:56.250
NIKO: Genau. Deshalb zweitens: den passenden Kontext mitgeben. Nicht das komplette Archiv, aber auch nicht die wichtige Ausnahme weglassen. Drittens: die Länge bestellen, die Du brauchst. Wenn Du fünf Punkte brauchst, lass Dir fünf Punkte geben. Bei Günther Jauch wäre eine Antwort mit drei zusätzlichen Vermutungen auch kein besonders guter Joker.

00:12:56.450 --> 00:13:04.235
SASCHA: Bei fünf Punkten kann ich immerhin noch erkennen, welcher falsch ist. Bei zwölf Seiten beeindruckt mich vielleicht schon die schiere Arbeitsleistung.

00:13:04.415 --> 00:13:28.110
NIKO: Ja, das ist verführerisch. Viertens vergleichst Du die Modelle an denselben typischen Fällen. Nicht heute einen leichten Fall und morgen einen schwierigen, dann ist der Vergleich kaputt. Zehn Fälle sind ein erster Hinweis, keine Wissenschaft. Schau auf Qualität, gesamte Kosten und Korrekturzeit. Vielleicht brauchen zwei Fälle die leistungsfähigere Variante, die anderen acht nicht. Dann nutzt Du sie gezielt.

00:13:28.360 --> 00:13:37.440
SASCHA: Und der fünfte Handgriff betrifft den Agenten, der weiterarbeitet, während ich Mittag esse. Der wirkt manchmal sehr beschäftigt, ohne dass ich verstehe, womit.

00:13:37.620 --> 00:13:59.880
NIKO: Dem setzt Du ein Ende. Zum Beispiel zwei Überarbeitungen, dann soll er die offenen Fragen zurückgeben. Begrenze Werkzeugaufrufe und nutze echte Geldgrenzen, soweit das System sie anbietet. Nur in den Prompt zu schreiben, bitte höchstens fünf Euro ausgeben, ist noch keine technische Sperre. Das ist ungefähr so belastbar wie mein guter Vorsatz, nur kurz nach dem Mate-Tee zu schauen.

00:13:59.535 --> 00:14:07.840
SASCHA: Oder der Zettel am Kühlschrank: nur ein Stück Kuchen. Der hat in meiner Erfahrung ausgesprochen schlechte Durchsetzungswerte.

00:14:07.970 --> 00:14:27.530
NIKO: Genau. Die Grenze muss tatsächlich greifen. Und mein zweiter harter Tipp: Schau Dir den teuersten Fall an, nicht nur den Durchschnitt. Wenn neun Vermerke günstig sind und einer durch fünf Schleifen läuft, musst Du diesen einen verstehen. Sonst wunderst Du Dich bei der Monatsrechnung über etwas, das Du am Mittwoch schon hättest sehen können.

00:14:28.210 --> 00:14:36.400
SASCHA: Jetzt fällt bei solchen Gesprächen immer irgendwann Caching. Kannst Du das an unseren Vermerken erklären, ohne dass ich nebenbei Informatik studiere?

00:14:36.580 --> 00:14:59.770
NIKO: Stell Dir vor, vor jedem neuen Gespräch stehen dieselben langen Arbeitsregeln und dieselbe Vorlage. Ein Modelldienst kann diesen bereits verarbeiteten Anfang unter bestimmten Bedingungen zeitweise wiederverwenden. Die neue Gesprächsnotiz hängt danach. Das nennt sich Prompt Caching. Bei einem Treffer muss ein Teil der gleichen Vorarbeit nicht noch einmal auf dieselbe Weise erledigt werden. Das kann schneller und günstiger sein.

00:14:59.990 --> 00:15:08.730
SASCHA: Also stellt jemand die Werkbank einmal ein, und ich lege danach immer ein neues Werkstück drauf. Die fertige Antwort kommt trotzdem jedes Mal neu?

00:15:08.910 --> 00:15:30.670
NIKO: Genau, es ist kein Regal mit fertigen Antworten. Und die Werkbank muss wirklich gleich eingestellt bleiben: Der relevante Anfang muss übereinstimmen. Wenn Du vorn ständig Datum, Namen und Regeln umsortierst, kann der Treffer weg sein. Feste Regeln nach vorn, wechselnde Angaben dahinter, so weit der jeweilige Dienst das vorsieht. Nur sinngleich ist nicht unbedingt gleich genug.

00:15:30.950 --> 00:15:38.535
SASCHA: Das klingt nach einem Ort, an dem ich einen Nachmittag optimiere, um am Ende neun Cent zu sparen. Ich frage vorsichtshalber für einen Freund.

00:15:38.715 --> 00:16:05.905
NIKO: Den Freund kenne ich. Deshalb mein Tipp: Erst in die Nutzungsdaten schauen. Normale Eingaben, Cache-Lesen, gegebenenfalls Cache-Schreiben und Ausgaben getrennt ansehen. Der erste Schreibvorgang kann zusätzlich kosten. Mindestlänge, Lebensdauer und Preise sind je nach Dienst verschieden. Und wenn Du nur ein Festpreisabo nutzt, wird daraus nicht plötzlich eine günstigere Monatsrechnung. Wir reden hier vor allem über technische Anwendungen mit Verbrauchsabrechnung.

00:16:06.105 --> 00:16:14.125
SASCHA: Ich messe also den ersten Lauf und die Wiederholungen zusammen. Ein einzelner günstiger Treffer wäre sonst wieder nur die schöne Hälfte der Rechnung.

00:16:14.305 --> 00:16:32.485
NIKO: Richtig. Und dann rechne Deinen Nachmittag mit. Caching kann bei viel wiederkehrendem Kontext sehr sinnvoll sein. Aber ich möchte nicht, dass Du für unseren kleinen Test erst ein Optimierungsprojekt aufmachst. Fang beim Auftrag an, miss den Verbrauch, dann entscheide, ob sich der zusätzliche Aufwand lohnt. Das ist die Reihenfolge.

00:16:33.185 --> 00:16:43.545
SASCHA: Wo lege ich die gültige Vorlage ab, damit nicht jeder im Team mit einer eigenen Kopie arbeitet? Du nutzt dafür auch Notion. Viele kennen den Namen, aber was ist das eigentlich?

00:16:43.725 --> 00:17:10.045
NIKO: Im Grunde ein gemeinsamer Arbeitsbereich für Seiten, Wissen und Datenbanken. Auf einer Seite kann unsere freigegebene Vorlage stehen. In einer Datenbank erfasst Du die einzelnen Fälle, also Zeit, Kosten und Prüfergebnis, und kannst sie filtern oder sortieren. Für unseren Versuch reicht eine sehr kleine Struktur: Vorlage, Quelle, Stand, verantwortliche Person. Dazu die Liste der Fälle. Keine digitale Schlossanlage mit zweiundvierzig leeren Räumen.

00:17:10.265 --> 00:17:19.445
SASCHA: Ich kenne solche Arbeitsbereiche. Man öffnet eine Seite und fühlt sich sofort verpflichtet, erst einmal eine andere Seite zu lesen. Irgendwann ist Mittag.

00:17:19.625 --> 00:17:41.075
NIKO: Ja, deshalb klein halten. Wenn Deine vorhandene Tabelle reicht, nimm die. Notion ist eine Möglichkeit, die gültige Fassung auffindbar zu machen. Das ist etwas anderes als Prompt Caching. Und sobald ein KI-Werkzeug darauf zugreift, musst Du prüfen, welche Inhalte es tatsächlich ans Modell schickt. Nur weil alles schön geordnet ist, soll ja nicht jedes Mal das ganze Archiv mitreisen.

00:17:41.325 --> 00:17:46.190
SASCHA: Dann wäre die Ordnung bloß eine sehr elegante Verpackung für unnötigen Verbrauch.

00:17:46.370 --> 00:18:10.130
NIKO: Genau. Passende Seite oder passenden Abschnitt auswählen und hinterher den Eingabeverbrauch kontrollieren. Mein dritter Tipp ist übrigens völlig untechnisch: Trag die Zeit direkt nach der Aufgabe ein. Nicht am Freitag aus dem Gedächtnis. Die zehn Minuten Suchen und die zweite Korrekturrunde verschwinden sonst erstaunlich zuverlässig. Gerade die gehören aber zu unserer Frage: Was kostet das brauchbare Ergebnis?

00:18:13.320 --> 00:18:35.600
SIGGI: Eigenwerbung aus dem eigenen Haus: Auf KI Hero Punkt de findest Du persönliche Begleitung für eine konkrete Aufgabe. Bring den Fall mit, an dem es gerade hakt. Notion aufräumen, ohne dabei ein Museum für leere Seiten zu eröffnen, wäre zum Beispiel ein Anfang. Jetzt zurück zu Niko und Sascha. Die Zeit ist gewonnen. Nur über den Besitzer haben wir noch nicht gesprochen.

00:18:38.790 --> 00:18:51.150
SASCHA: Wir sind wieder bei den zehn Stunden. Jetzt sagt die Chefin: wunderbar, dann schaffen wir ab morgen einfach mehr. Die Rechnung stimmt, aber die Menschen sind genauso erschöpft. Wo bleibt da das Versprechen aus Deinem Buch?

00:18:51.330 --> 00:19:14.705
NIKO: Ja, wenn wir darüber vorher nicht sprechen, kann genau das passieren. Im Buch beschreibe ich diese Happy Chain: Menschen befähigen, Arbeit verbessern, Zeit gewinnen. Und dann muss ein Teil davon im Leben der Menschen ankommen. Das macht die Software nicht automatisch. Dafür braucht es Entscheidungen. Sonst haben wir am Ende eine besonders effiziente Art gebaut, noch weniger Luft zu haben.

00:19:15.055 --> 00:19:24.050
SASCHA: Ein Unternehmen muss aber bestehen. Die Konkurrenz wartet nicht darauf, dass wir in aller Ruhe unsere Wochenarbeitszeit neu sortieren. Das ist schon ein Konflikt.

00:19:24.230 --> 00:19:49.010
NIKO: Natürlich. Ich will den auch nicht wegreden. Nur kannst Du gemeinsam festlegen, wofür die Zeit eingesetzt wird: bessere Arbeit, Lernen, zusätzliche Aufträge, weniger Überstunden. Wenn jede Verbesserung sofort zu mehr Druck führt, erzählen Dir die Leute irgendwann nicht mehr, was sie verbessert haben. Dann hast Du eine Kultur des heimlichen Zeitgewinns. Auf der Folie steht Transformation, unterm Tisch machen alle ihr eigenes Ding.

00:19:49.230 --> 00:19:59.695
SASCHA: Das wäre die deutsche Variante von Innovation: funktioniert wunderbar, aber bitte nicht weitersagen. In der nächsten Talkshow diskutieren dann fünf Leute darüber, warum keiner mitmacht.

00:19:59.845 --> 00:20:20.465
NIKO: Und bei Markus Lanz hätte noch jemand eine Anschlussfrage, bevor einer antworten konnte. Aber im Betrieb hilft uns das nicht. Da musst Du den Leuten zuhören. Wer hat Sorge, wer hat eine gute Idee, welche Aufgabe möchte wirklich niemand mehr machen? Daraus wird eher ein vernünftiger Anfang als aus der Ansage: Ab Montag sind wir alle begeistert.

00:20:20.745 --> 00:20:26.640
SASCHA: Du kannst trotzdem niemandem versprechen, dass sein Arbeitsplatz bleibt. Auch nicht, wenn er sich auf alles einlässt.

00:20:26.820 --> 00:20:50.080
NIKO: Nein. Das kann ich nicht. Aufgaben können wegfallen, Stellen sich verändern oder entfallen, neue Aufgaben entstehen. Nur lässt sich die Entwicklung eines ganzen Betriebs nicht aus einem schnelleren Vermerk ablesen. Da hängen Aufträge, Entscheidungen und Weiterbildung dran. Mir geht es darum, dass Menschen dabei handlungsfähig bleiben. Und dass wir nicht erst mit ihnen sprechen, wenn die Entscheidung längst gefallen ist.

00:20:50.480 --> 00:21:05.360
SASCHA: Eine Ebene darüber liegt die nächste Rechnung, nämlich die des Staates. Der Economist hat Anfang Oktober die Frage aufgemacht, was mit Steuersystemen passiert, wenn sich Wertschöpfung zwischen Arbeit und Kapital verschiebt. Wer trägt dann welche Last?

00:21:05.540 --> 00:21:24.945
NIKO: Das ist eine echte politische Frage. Wenn sich verändert, wie Einkommen und Gewinne entstehen, muss man über die Finanzierung öffentlicher Aufgaben sprechen. Aber bitte mit mehr als unserem Taschenrechnerbeispiel. Zehn gesparte Stunden sind noch kein Steuerkonzept. Und eine bereits beschlossene deutsche KI-Steuer haben wir hier auch nicht vorgestellt.

00:21:25.245 --> 00:21:30.690
SASCHA: Gut. Sonst hätte am Ende noch jemand versucht, meine Glasperlen als Rechenzentrum abzusetzen.

00:21:30.390 --> 00:21:36.830
NIKO: Dafür müsstest Du erst mal nachweisen, dass die arbeiten. Bisher machen die einen sehr entspannten Eindruck.

00:21:36.930 --> 00:21:40.555
SASCHA: Subculture-Luxus. Den Begriff hatten wir geklärt.

00:21:41.255 --> 00:21:52.030
SASCHA: Bevor wir uns völlig in der Steuerpolitik verlieren, zurück zu unserer einen Büroaufgabe. Ich will das nächste Woche testen. Was mache ich am Montag, und worüber entscheide ich am Freitag?

00:21:52.210 --> 00:22:17.270
NIKO: Montag legst Du fest, was ein guter Vermerk enthalten muss, welche Daten verwendet werden dürfen und wie lange vergleichbare Fälle bisher dauern. Dienstag richtest Du eine kleine Vorlage ein und notierst den Aufwand. Dann sammelst Du Fälle, auch die schwierigen. Eingabe, Prüfung, Nacharbeit, direkte Kosten, Fehler. Und zwar sofort eintragen. Freitag schaut ihr gemeinsam drauf: hilft es, müssen wir etwas ändern oder lassen wir es wieder?

00:22:17.550 --> 00:22:24.660
SASCHA: Und eine Woche beweist noch nicht, dass alles dauerhaft sicher und günstig läuft. Die seltenen Fehler kommen vielleicht später.

00:22:24.840 --> 00:22:47.720
NIKO: Richtig. Sie gibt Dir eine erste Orientierung. Wenn viel davon abhängt, prüfst Du länger und gründlicher. Aber Du bist raus aus diesem: Fühlt sich irgendwie schneller an. Und wenn das Ergebnis heißt, lohnt sich bei dieser Aufgabe nicht, dann war der Versuch trotzdem nützlich. Du hast es klein herausgefunden. Wir müssen nicht jeden Ablauf automatisieren, bloß weil sich ein neuer Knopf dafür finden lässt.

00:22:48.070 --> 00:22:56.955
SASCHA: Dann kann ich mir drei Fragen merken: Was ist wirklich fertig geworden? Was hat der ganze Weg gekostet? Und was machen wir mit der Zeit, die übrig bleibt?

00:22:57.135 --> 00:23:16.175
NIKO: Genau die drei. Schreib sie Dir neben den Bildschirm, wenn Du magst. Und wenn am Freitag tatsächlich Zeit übrig bleibt, musst Du daraus nicht sofort noch ein Projekt machen. Vielleicht führst Du ein Gespräch, das sonst untergeht. Oder Du gehst früher. Oder spielst Tennis. Irgendwo sollte das Versprechen vom besseren Arbeiten ja mal im Leben ankommen.

00:23:16.525 --> 00:23:25.645
SASCHA: Ich könnte in Ruhe meinen Economist lesen. Diesmal ohne ihn als Fortbildung zu deklarieren. Und Du könntest Deinen Mate trinken, solange er noch warm ist.

00:23:25.825 --> 00:23:33.535
NIKO: Inzwischen ist er trinkbar. Siehst Du, wir haben heute sogar ein Problem durch Abwarten gelöst. Ganz ohne Agenten.

00:23:33.695 --> 00:23:38.580
SASCHA: Und ohne zusätzliche Perle. Das Budget war ja ohnehin schon ausgeschöpft.

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SIGGI: Das war KI Hero mit Niko Martzy und Sascha. Die Rechnung, die Quellen und den Wochenversuch findest Du im kostenlosen PDF zur Folge auf podcast Punkt KI Hero Punkt net. Stimmen und Studiobild sind mit KI erzeugt. Die Inhalte verantworten die Menschen dahinter. Wenn Dir jemand demnächst eine sehr schöne Sparfolie zeigt: Frag freundlich nach der anderen Hälfte. Bis zum nächsten Mal.
